Der Ton macht die Musik – mit welchem Ton sprechen Sie zu sich?

Letztens ist mir ein Missgeschick passiert, nichts Tragisches, aber doch so ärgerlich, dass ich zu mir selbst sagte „Ach, bist Du blöd. Das kann doch nur Dir passieren!“. In dem Moment wurde mir wieder mal klar, wie schnell wir mit vernichtenden Urteilen uns selbst gegenüber um uns werfen. Gedanklich oder auch laut vor uns hingesprochen.
Fällt uns was runter, stolpern wir, sind mit dem Auto falsch abgebogen oder sonst irgendein kleines Missgeschick, wir sind mit harscher Kritik uns selbst gegenüber schnell zur Hand.

„Was bin ich doch für ein Idiot!“ fühlen Sie mal, wie der Satz bei Ihnen ankommt. Stellen Sie sich vor, Ihnen fällt was runter und Ihr Gegenüber kritisiert Sie mit dem Satz „Was sind Sie nur für ein Idiot!“. Wie geht es Ihnen dabei? Würden Sie sich das überhaupt gefallen lassen?
Wahrscheinlich würden Sie sich verbal wehren und irgendetwas Unschönes erwidern oder in Rechtfertigungen verfallen.

Und vor allem die Tragweite des Satzes ist gravierend. Ist man tatsächlich „blöd“, oder „ein Idiot“ nur weil auf Anhieb etwas nicht gelingt, oder einem ein Missgeschick passiert?
Grundsätzlich und in jeder Beziehung?

Wahrscheinlich würde kein Außenstehender Sie sofort als „Idiot“ beschimpfen, nur weil Ihnen etwas runtergefallen ist. Dieses Beispiel diente nur als Gedankenspiel.

Wie sprechen Sie mit sich?

Den ganzen Tag sind Sie mit sich selbst unterwegs und Ihnen ist sicherlich auch schon aufgefallen, dass Sie auch den ganzen Tag mit sich selbst sprechen. „Jetzt muss ich aufsehen“, „Oh, es ist schon spät, jetzt muss ich rennen!“, „Ich sollte mal wieder bei meiner Mutter vorbeischauen!“ usw. usw.
Diese Kommunikation mit Ihnen selbst läuft ganz automatisch ab, so wie Sie etwa ganz automatisch atmen oder gehen.

Beobachten Sie mal Ihre Gedanken und wie sie zu sich selbst sprechen. Oftmals ist das, was wir zu uns selbst sagen, wenn es mal nicht so klappt, schon eine richtige Beleidigung. Diese würden wir von jemanden anderen nicht so einfach hinnehmen, aber von uns selbst schon.

Sie sind wahrscheinlich Ihr größter Kritiker?

Seien Sie höflich und gnädig und rücksichtsvoll mit sich selbst.
Wenn etwas runterfällt ist das zwar als Sachverhalt vielleicht „blöd“, aber das hat mir Ihrer Intelligenz, Ihrem Vermögen, Ihrem Können und mit all Ihren Talenten nichts zu tun.

Wenn Sie mit dem Auto falsch abgebogen sind (und ja, mir ist das schon passiert), dann hat das ebenfalls nichts mit Ihrer Intelligenz usw. zu tun. In dem Moment waren Sie vielleicht abgelenkt, unaufmerksam oder anderweitig in Gedanken.

Wenn etwas auf Anhieb nicht gelingt, dann liegt das zumeist an mangelnder Erfahrung, an fehlendem Wissen oder an der Routine, aber das ist kein Grund, sich selbst zu beschimpfen „was für ein Versager man doch ist“.

Seien Sie so höflich zu sich selbst, wie sie es zu einem Fremden, Kollegen oder Freund wären. Hier würden Sie bei einem Missgeschick vielleicht erwidern „ist doch nicht so schlimm“, „komm, versuch es noch einmal, das klappt schon“, „du kannst das“, „ich weiß, was in dir steckt, das kannst du“, oder andere schöne motivierende Aufforderungen.

Schätzen und respektieren Sie sich selbst und gehen Sie freundlich mit sich um und Sie werden sehen, was für eine positive Wirkung das auf Sie hat.
Die Art, wie Sie mit sich sprechen kann Ihnen persönlich Mut machen und neue Kräfte wecken.

Ich wünsche Ihnen viele positive Dialoge mit sich selbst.

Herzlichst
Karoline Beck

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